Letzte Station in China: Shangri-La

Shangri-La, meine letzte Station in China, liegt quasi am Ende einer Sackgasse, denn hinter der abgelegenen Stadt warten nur noch das tibetische Hochplateau und wenige Straßen. Der weite Weg lohnt sich dennoch, denn hier kann man tibetische Kultur und die Ausläufer des Himalaya erleben, ohne eine teure und aufwändige Sondergenehmigung für eine Reise nach Tibet bei den chinesischen Behörden beantragen zu müssen.

 

Shangri-La – ein Marketing Coup?

Shangri-La hieß früher eigentlich Zhondian. Erst vor wenigen Jahren wurde das Städtchen aus Marketinggründen in Shangri-La umbenannt. Der Name geht auf einen paradiesischen, mystischen Ort in James Hiltons Bestseller The Lost Horizon aus dem Jahr 1933 zurück, der irgendwo sehr abgelegen im Himalaya liegen soll. Wahrscheinlich basiert Hiltons Beschreibung des Ortes auf damaligen National Geographic-Artikeln über Osttibet, weswegen die chinesischen Regierung der Meinung ist, dass es sich bei dem Städtchen Zhongdian in Wirklichkeit um das lange gesuchte Shangri-La handelt. Seit 2001 soll der neue Name nun dabei helfen, die Touristenströme aus Lijiang auch bis nach Shangri-La/Zhongdian zu locken.

Shangri-La, welches auf eine 1.300-jährige Geschichte zurück blickt, besteht heute aus einer schönen Altstadt mit teils jahrhundertealten Holzhäusern und einer jener für China typischen gesichtslosen Neustadt. Leider ist im Januar 2014, also nicht einmal zwei Monate nach meinem Besuch, die Altstadt zu großen Teilen abgebrannt.

Westliche Reisende treffen wir kaum, es ist aber auch bereits Ende November und wird insbesondere nachts empfindlich kalt. In der ersten Nacht schlafen wir – ich bin noch immer mit Rik unterwegs – in einem Holzgebäude, in dem die kondensierte Atemluft morgens als dünne Eisschicht an den Fenstern zu sehen ist.

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Tibetischer Einfluss

Das hoch gelegene Städtchen wird vor allem von Tibetern und Naxi bewohnt, weshalb es auch für die Han-Chinesen ein exotischer, fremder Ort ist. Man merkt schnell, dass man sich in einer Randregion Chinas befindet, in der nicht Han-Chinesen, sondern andere Völker zuhause sind. Den tibetischen Charakter der Stadt sieht man an den speziellen Gerichten (wie Buttertee und Yak-Produkte), aber vor allem an den Menschen.

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Tempel im Häusermeer

Wie eine Insel inmitten des Häusermeeres gelegen, thront ein Tempel mit einer gigantischen Gebetsmühle über der Stadt.

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Auch nach zig Tempelbesuchen werden sie mir nie langweilig…

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Buddhistische Tempel gibt es in vielen Ländern. So schöne Drachen wie hier gibt es aber sonst nirgendwo.

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Und noch ein Tempel

Am Rande der Stadt kann man den meisten gehfaulen Touristen entkommen, wenn man einen kleinen, aber steilen Hügel erklimmt. Das stellt sich aufgrund der Höhenlage der Stadt auf 3.200m schnell anstrengender als gedacht heraus. Dafür wird man aber mit einem alten Tempel, tausenden Gebetsfahnen und einer tollen Sicht auf die Stadt belohnt.

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 Zongzanlin Kloster

Das Kloster Zongzanlin liegt wenige Kilometer außerhalb der Stadt und ist jeden Besuch wert – auch wenn natürlich wieder ein saftiges Eintrittsgeld zu entrichten ist. Die Soldaten am Eingang kaufen uns unsere Ahnungslosigkeit nicht ab und schicken uns den Weg zurück zum Ticketschalter.

Während ein Teil des Klosters erst kürzlich renoviert und mit riesigen goldenen Dächern bestückt wurde, verfallen andere Teile der Anlage. Dazwischen treffen wir überall Mönche, die uns kaum beachten und uns in Ruhe unsere Fotos machen lassen.

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Auf 4449m Höhe

Am nächsten Tag nehmen wir die Seilbahn auf den Gipfel eines nahgelegenen Berges und steigen nach 45 Minuten in einer Höhe von  4449m aus der Kabine. Für mich ist es das erste mal in solcher Höhe, aber erstaunlicherweise merkt man den geringeren Sauerstoffgehalt kaum, wenn man sich nicht anstrengt. Trotzdem haben sich viele chinesische Touristen am Fuße des Berges teure Sauerstoffflaschen andrehen lassen, von denen sie gerne in dramatischen Gesten Gebrauch machen.

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 Immer gegen den Wind

Rik und ich leihen uns an meinem letzten Tag zwei Mountain Bikes und machen eine Tour durch das glücklicherweise sehr flache Tal. Der Wind, der wie bei jeder richtigen Fahrradtour immer von vorne kommt, sorgt dafür, dass es wir es nicht zu leicht haben. Kaum haben wir die Stadt hinter uns gelassen, sind wir die einzigen Touristen, kommen durch schöne authentische Dörfer und schauen den Dorfbewohnern bei der Feldarbeit zu.

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Bye bye China

Abends muss ich mich nach so vielen gemeinsamen Reisetagen von Rik verabschieden und ich nehme vom kleinen, modernen Flughafen aus den Flieger zurück nach Kunming, wo ich dann blöderweise mitten in der Nacht vor einem ausgebuchten Hostel stehe und mir um 2 Uhr morgens etwas neues organisieren muss. Nach einer sehr kurzen Nacht besteige ich dann am nächsten Morgen den Flieger nach Nepal und verlasse nach insgesamt 7 Wochen dieses vielseitige, aufreibende und wunderschöne Land China.

China hat sich in diesen Wochen als ein Land herausgestellt, dass mir viele einmalige und unersetzliche Momente geboten, mich aber auch viele Nerven gekostet hat. Dazu aber bald mehr in einem anderen Blogpost…

 

 

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