Russland – 10 Dinge, die ich gelernt habe

In Russland habe ich leider nur ca. zwei Wochen verbracht – viel zu wenig für so ein großes und abwechslungsreiches Land. Dennoch konnte ich mir in den ersten zwei Wochen meiner Weltreise ein erstes Bild machen und viele Eindrücke sammeln.

  1. Einige Klischees und Vorstellungen, die oft mit Russland verbunden werden, stimmen. Zum Beispiel lächeln Russen in der Öffentlichkeit tatsächlich wenig bis gar nicht – man zeigt Härte und keine Gefühle. Nach einiger Zeit merkt man aber, dass hinter der kalten Fassade meist freundliche und interessierte Menschen stecken. Die Freundlichkeit bekommt man aber erst zu spüren, wenn ein erster Kontakt hergestellt ist. In der transsibirischen Eisenbahn geht das zum Beispiel recht schnell.
  2. Moskau ist eine fantastische Stadt. Gleich meine erste Station auf meiner Reise hat mich positiv überrascht. Auch wenn der Start etwas holprig war (mein gebuchtes Hostel war einfach nicht zu finden und ich musste spät abends ein neues finden), hat mich die Stadt begeistert. Wenn die russischen Visabestimmungen nicht so Touristen-feindlich wären, würde ich nach meiner Reise direkt wieder in Moskau vorbei schauen. Für ein verlängertes Wochenende lohnen Kosten und Aufwand für das Visum nicht.
  3. Moskau ist sehr teuer. Sowohl Hostels als auch das Essen reißen große Löcher ins Budget.
  4. Lange Zugfahrten machen Spaß und sind entspannend. Habe ich davor noch befürchtet, bereits nach ein oder zwei Tagen einen Zug-Koller zu bekommen, waren die 87 Stunden rückblickend nie langweilig oder zermürbend. Die Zeit vergeht in der Transsib ganz anders: viel schneller, viel weniger bewusst. Man schaut einfach nie auf die Uhr, weil es aufgrund der vielen noch fehlenden Stunden sowieso keinen Sinn macht.
  5. Russen trinken in der Öffentlichkeit fast nie Vodka. Im Zug war es nur mein ukrainischer Nachbar, der die Vodkaflaschen leerte, als sei es Wasser.
  6. Das Finden der Hostels gleicht einer Schatzsuche – ohne genaue Beschreibung hat man keine Chance, sein Hostel zu finden.
  7. Auf den ersten Schock beim Betreten der tristen Treppenhäuser folgt immer große Erleichterung beim Betreten des Hostels. Mit der Zeit lerne ich, dem ersten Eindruck keine Bedeutung mehr beizumessen. Russische Hostels sind sehr gemütlich und es herrscht eine familiäre Atmosphäre. Am Eingang muss man immer die Schuhe ausziehen und hat es dafür innen immer sauber. Die Hostel-Angestellten wohnen mit im Hostel und schlafen meist auf einem Sofa im Aufenthaltsbereich.
  8. Nach nur zwei Wochen on the road hat mich das Reisefieber voll erwischt und ich habe das Gefühl, ewig so weiter machen zu können. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit machen einem die geteilten Dorm-Zimmer, das ständige Rucksackpacken und das Duschen in Flipflops nicht mehr, und man verliert die Angst vor der großen Ungewissheit des nächsten Schrittes.
  9. Sibirien, und insbesondere die Region am Baikalsee, sind wunderschön und im Sommer sehr warm. Wäre der Baikalsee nicht der Inbegriff des Endes der Welt würden sicher mehr Touristen den Weg hierher finden. Aber vielleicht ist es ganz gut so; nervige Touristenmassen braucht man hier nicht fürchten. Statt dessen lernt man unter den Reisenden die interessantesten und nettesten Menschen kennen.
  10. Russen sind von Grund auf ehrlich und ich hatte nicht ein einziges Mal das Gefühl, als Ausländer übers Ohr gehauen zu werden.

Russland ist insgesamt sicher kein typisches oder einfaches Reiseland. Sogar in Moskau ist fast nichts auf englisch oder zumindest in lateinischen Schriftzeichen ausgewiesen, und das Finden der Hostels kann einen vor Probleme stellen. Wer es dennoch wagt wird mit einer einmaligen und atemberaubenden Natur, mit vom Tourismus und seinen negativen Begleiterscheinungen verschonten Orten und mit im Grunde sehr freundlichen Menschen belohnt.

Russland hat mich sicher nicht zum letzten Mal gesehen. Wenn nur das Visum leichter zu bekommen wäre…

 

Gereiste Kilometer in Russland: ca. 6460km
  • 5155 km Transsibirische Eisenbahn Moskau – Irkutsk
  • 540 km Geländevan Irkutsk – Olchon – Irkutsk
  • 455 km Zug Irkutsk – Ulan Ude
  • 80 km Bus Ulan Ude – Ivolginsk (Buddhistisches Kloster) – Ulan Ude
  • 232 km Bus Ulan Ude – Grenze Mongolei

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

wp_footer();