Norden Chinas: Peking und Tianjin in der Golden Week

Peking ist meine erste Station im Reich der Mitte und hier ist alles anders. Als ich aus dem Wagon der Transmongolischen Eisenbahn steige, betrete ich eine komplett andere Welt; der Kontrast zur Mongolei könnte nicht größer sein. Plötzlich bin ich in einer großen Megametropole – in der Stadt Peking tummeln sich mit über 20 Millionen Einwohnern mehr als sechs mal so viele Menschen wie in der ganzen Mongolei – und ich betrete einen Großstadtdschungel, der zwischen Moderne und Tradition alles bietet.

Von Ulan Bator nach Peking

Der Zug von Ulan Bator nach Peking hält an der mongolisch-chinesischen Grenze für etliche Stunden, in denen aufgrund der unterschiedlichen Gleisbreiten in den beiden Ländern jeder einzelne Wagon mit sämtlichen Passagieren darin angehoben wird, um ein neues Fahrgestell zu montieren. Jedes Mal, wenn dabei ein Wagon vom Rest des Zuges abgekoppelt wird, geht ein gewaltiger Ruck durch den ganzen Zug, der mich einige Male beinahe von meiner Pritsche wirft. Leider dauert diese Prozedur von Mitternacht bis drei Uhr nachts, weshalb an Schlaf nicht zu denken ist.

(Jeweils für das nächste Bild die Pfeiltasten benutzen!)

Peking

Peking bedeutet aber nicht nur Neues und Unbekanntes, sondern auch ein schönes Wiedersehen mit Melina, einer sehr guten langjährigen Freundin aus Aachen, die in Peking arbeitet. Nach zwei Monaten auf Tour mit ständig wechselnden Gesichtern und immer neuen Bekanntschaften tut es gut, ein vertrautes Gesicht zu sehen. Ich komme bei ihr und ihrer Mitbewohnerin Kathy unter und lebe eine Woche lang im Luxus – ein sauberes Bad, ein richtiges, großes Bett und eine tolle Aussicht aus dem 13. Stock.

Ganz China hat in der ersten Oktoberwoche Ferien. Das ist für mich einerseits ein großes Glück, weil auch Melina Zeit hat und mir als fantastischer Guide die Stadt zeigen kann, aber es bedeutet andererseits auch, dass Millionen von Chinesen im Land unterwegs sind und dementsprechend alle Sehenswürdigkeiten hoffnungslos überlaufen sind. Die Straßen von Peking sind ungewöhnlich leer, während beispielsweise die Verbotene Stadt so überfüllt ist, dass ich dankbar auf einen Besuch verzichte. Es ist jedoch gut, dass die Straßen so leer sind, denn nur so traue ich mich als Beifahrer auf Melinas Elektrofahrrad/-scooter.

In diesem Punkt sind die Chinesen uns Europäern hoch überlegen – die auf Pekings Straßen allgegenwärtigen Flitzer machen Spaß, sind flink und dabei bis auf das Abrollgeräusch der Reifen und das Summen des Elektromotors quasi geräuschlos (wenn man vom ständigen Hupen absieht). Hoffentlich gibt es die Dinger auch bei uns bald günstig zu kaufen.

Peking ist durch und durch chinesisch, also so, wie ich mir eine chinesische Stadt vorstellen würde, aber gleichzeitig auch hochmodern und international. Das Metrosystem stellt alle mir bekannten europäischen in den Schatten und ist effizient, übersichtlich und sauber. An den Stationseingängen werden alle Taschen wie im Flughafen gescannt, die Metros fahren beinah im Minutentakt und haben übersichtliche Stationspläne in Englisch und Chinesisch. Als Westler braucht man in Peking im Grunde auf nichts zu verzichten – internationale Fastfoodketten gibt es an jeder Ecke, ebenso wie Shoppingmalls und Edelboutiquen. Wer will – und das ist bei vielen Expats der Fall – kann seinen bisherigen Lebensstil im Grunde einfach weiterführen und hat dazu noch Annehmlichkeiten wie günstige Taxen und ein immenses Angebot an Freizeitmöglichkeiten und chinesischen wie westlichen Restaurants.

(Jeweils für das nächste Bild die Pfeiltasten benutzen!)

 

Andererseits kann das Leben in Peking auch anstrengend sein. Wer morgens aufsteht schaut zunächst auf die aktuellen Smogwerte, die fast immer ein Vielfaches der in Europa zulässigen Höchstwerte erreichen. Im Grunde reicht aber auch ein Blick aus dem Fenster – wenn man nicht weiter als wenige hundert Meter schauen kann und sich im Nebel wähnt, wenn Menschen in Mundschutzmasken durch die Straßen laufen und alles in einer grauen Suppe versinkt, dann ist wieder einmal Smog-Tag. Was für mich anfangs noch unglaublich und irgendwie auch faszinierend ist, wird bald zu einer nervigen und auch traurigen Einschränkung – wenn der Himmel vom Smog immer grau ist und die Sonne nur zu erahnen ist, sehnt man sich irgendwann nach sauberer Luft und blauem Himmel. Smog_Peking

Peking ist eine interessante, bunte Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und guten Restaurants und ein guter Ausgangspunkt für eine Chinareise. In gewisser Weise ist es China light, weil man im Grunde auf nichts (außer auf frische Luft) verzichten muss, aber trotzdem die volle Ladung China abbekommen kann, wenn man möchte.

 

Tianjin

Zwar ist die Goldene Woche, wie die Ferienwoche genannt wird, die denkbar schlechteste Zeit, um ein öffentliches Verkehrsmittel zu benutzen, aber wir ergattern dennoch Zugtickets in die nahe gelegene (ebenfalls Millionen-)Stadt Tianjin. Die Stadt ist weniger hektisch als Peking, sehr sauber und selbst ein europäisches Viertel fehlt nicht.

(Jeweils für das nächste Bild die Pfeiltasten benutzen!)

Die erste, sehr abwechslungsreiche Woche in China hat mir, nicht zuletzt durch Melinas Tatendrang und Qualitäten als Stadtführerin, einen guten Vorgeschmack und Vorfreude auf die weitere Chinareise gegeben.

One Comment on “Norden Chinas: Peking und Tianjin in der Golden Week

  1. Pingback: Xi'an & die Terrakotta Armee - Strolling East

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

wp_footer();