Moskau

In Griechenland haben mich die Leute an der Grenze vor den gemeingefährlichen Türken gewarnt. Hier in Moskau ist es mein türkischer Zimmergenosse, der mich vor den Gemeinheiten der Russen warnt. Bislang habe ich diese jedoch noch nicht kennen gelernt, im Gegenteil.Zwar habe ich insgesamt den Eindruck, dass die meisten Russen relativ distanziert und nicht sonderlich an Fremden interessiert sind – dafür sind aber diejenigen Russen, die kontaktfreudig sind, sehr herzlich, und so begrüße ich die Hostel-Angestellten im Hostel bereits mit Handschlag und Umarmung. Russen gehen unerwarteterweise recht rücksichtsvoll miteinander um. Ich habe mich am Anfang kaum auf den Zebrastreifen auf autobahnähnlichen Straßen gewagt, jedoch halten auch Fahrer teurer Nobelkarossen abrupt an, sobald mein Fuß den ersten Streifen berührt. Auch das Bild vom betrunkenen, pöbelnden Russen hat sich noch nicht als zutreffend erwiesen.

Moskau ist sicherlich ein schöner Ort zum Leben – wenn man genug Geld hat. Männer fahren hier gerne in der Nobelkarosse vor, während schöne Frauen in teuren Kleidern und High Heels vor den teuren Restaurants darauf warten, von jaguarfahrenden Männern hinein begleitet zu werden. Überhaupt sollte, wer hübschen und (zu viel?) gestylten Frauen etwas abgewinnen kann, über einen Moskau-Besuch nachdenken. Es scheint zudem einen deutlichen Frauenüberschuss zu geben, was erklärt, warum oft – ähem – potthässliche Männer mit wunderhübschen Frauen zusammen zu sehen sind.

Neben dem zur Schau gestellten Prunk gibt es an vielen Ecken auch viele Obdachlose, die teilweise apathisch auf dem Boden liegen. Aber macht nichts, man kann ja drum herum laufen.

Eine für mich neue Erfahrung ist, als Ausländer nicht als solcher aufzufallen und völlig ohne nerviges Gezuppel am Ärmel an Straßenhändlern vorbei laufen zu können. Dafür wird man leider auch nicht von netten, interessierten Einheimischen angesprochen.

Kyrillisch ist zwar dem lateinischen Alphabet recht ähnlich, aber meine bescheidenen Kenntnisse von den drei Stunden im Flieger lassen mich immer dann kläglich im Stich, wenn ich zum Beispiel im Gedränge vor einer großen Informationstafel in der Metrostation stehe. Ganz selten gibt es auch mal englische Übersetzungen, wobei dann meist nur die Überschrift übersetzt wird. Der wichtigere Teil, nämlich der Inhalt darunter, bleibt für mich dann weiterhin kyrillischer Buchstabensalat.

Mein Hostel bietet besonders abends so manche Überraschung. Der kleine Flur vor unserem Dorm verwandelte sich plötzlich in eine Fitnesszone mit Gewichtheben und Boxen gegen die Wände, dazu passend russische Technomusik. Auf einmal musste ich auf dem Weg ins Bad jeweils mitten in ein hartes Trainingsprogramm reinplatzen, was umgehend mit grimmigen Blicken bestraft wurde. Zum Glück aber nicht mit Boxübungen. Ich habe für die zweite Nacht sicherheitshalber das Zimmer gewechselt, zumal sich mein altes Zimmer als Liebesnest für betrunkene Paare entpuppt hat.

Morgen geht es mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Irkutsk am Baikalsee. Etwa fünf Tage werde ich unterwegs sein und in der dritten Klasse hoffentlich (oder besser nicht, wenn man meinem türkischen Freund glauben darf) ein paar Russen besser kennen lernen. Ich bin sehr auf diese Erfahrung gespannt und hoffe, dass sich auch die anderen Mitreisenden mit feuchten Hygienetüchern eingedeckt haben. Duschen gibt es nämlich in den Wagons nicht. Zu meiner Erleichterung aber Toiletten.

 

(Jeweils für das nächste Bild die Pfeiltasten benutzen!)

2 Comments on “Moskau

  1. Und wie war das Essen bis jetzt?
    Schöne Fotos!
    Bin gespannt auf mehr…

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