Hua Shan: 1 Million Treppenstufen auf den Heiligen Berg

Der Hua Shan ist einer von fünf im Taoismus heiligen Bergen in China und berühmt für seine steilen Felswände, malerischen Ausblicke und gefährlichen Klettersteige. Immer wieder liest man auch davon, es sei einer der gefährlichsten Berge weltweit; jährlich gäbe es eine Dunkelziffer an verunglückten Touristen. Das klingt spannend genug für mich, um einen Besteigungsversuch zu wagen.

Der Gelbe Berg, wie der Hua Shan auch genannt wird, wurde bereits vor vielen hundert Jahren in den höchsten Tönen gepriesen:

„Nach der Besichtigung der fünf Gebirge hat man kein Interesse mehr, andere Berge zu besichtigen. Aber nach der Besichtigung des Gelben Berges ist das Interesse für die fünf Berge auch verloren.“ (Xu Xiake, Geograph zu Zeiten der Ming-Dynastie – Quelle: Wikipedia)

Ich nehme also frühmorgens den Schnellzug von Xi’an nach Huayin in der Nähe des Berges und fahre dann mit dem Bus zum Ticket-Office (in China gibt es gefühlt fast so viele Ticket-Offices wie Chinesen), wo ich nach dem Ticketpreis frage. Die  Dame hinter dem Schalter möchte 180 Yuan (ca. 21 Euro) haben. 21 Euro nur, um auf einem Berg herumzulaufen? Freundlich sage ich ihr, dass ich alleine bin und kein Gruppenticket benötige. Als sie hartnäckig die Hand aufhält vermute ich zunächst, der Preis beinhaltet die Fahrt mit der Gondelbahn, die ich aber ja gar nicht nehmen, sondern zu Fuß hoch gehen möchte. Schließlich gebe ich mich geschlagen und zahle auch den überzogenen Preis für den Bus, der mich zum Berg bringen soll.

Meine Wanderschuhe hätte ich im Hostel lassen können, wie ich bald sehe – der Weg hoch zu den fünf Gipfeln des Berges besteht ausschließlich aus gepflasterten Treppenstufen. Vielen Stufen. Gefühlte 1 Million Stufen muss an erklimmen, um oben anzukommen. Unterwegs überhole ich einige Gruppen von Anzug tragenden Männern und Frauen in High Heels. Andere Chinesen übertreiben es in die andere Richtung und sind mit der allerneuesten Outdoor-Mode inklusive Handschuhen und Wanderstöcken ausgestattet.

Oben angekommen stelle ich fest, dass ich nicht alleine bin. Tausende Chinesen haben sich bereits in die Schlangen auf den Wegen zwischen den Berggipfeln eingereiht – kein Platz zum Überholen, es bleibt mir nichts anderes übrig, als langsam hinter den anderen herzutrotten.

Dennoch sind die Landschaft und die Bergkulisse definitiv den Aufstieg wert; die Aussicht auf die jeweils anderen Gipfel ist spektakulär.

Der Hua Shan bietet einen irrsinnig gefährlichen Klettersteig, der aus ein paar schmalen Holzplanken an einer senkrechten Felswand besteht. Leider hat sich der Nervenkitzel versprechende Klettersteig aber herumgesprochen, sodass man sich heutzutage anstellen muss, um sich das nun obligatorische Klettergeschirr anzulegen und in Gruppen auf den Holzplanken entlang zu spazieren. Von Nervenkitzel und Gefahr keine Spur. Vermutlich ist besser so; früher sollen hier einige unglückliche Touristen den schnellsten Weg nach unten gefunden haben.

Auch wenn der Besuch des Hua Shan aufgrund der vielen, vielen Menschenmassen anders ausfiel als gedacht, ist mir der Muskelkater am nächsten Tag Beweis genug, dass sich die Tour gelohnt hat. So viele Treppenstufen werde ich höchstens wieder steigen, wenn der Aufzug in einem Hochhaus kaputt ist.

(Jeweils für das nächste Bild die Pfeiltasten benutzen!)

 

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