Dali: vom Backpackernest zur Souvenirstadt

Früher tummelten sich in Dali die Backpacker (jedenfalls laut Reiseführer). Heute tummeln sich in Dali die Touristen. Die schöne Altstadt ist geblieben, der Charme der Stadt schwindet aber mit jedem neu eröffneten Souvenirshop. Als weißer Ausländer ergänze ich die Stadt um eine Sehenswürdigkeit und stehe öfter vor chinesischen Kameras als hinter meiner eigenen.

Von Dali gibt es nicht viel zu berichten. Die Stadt an sich ist historisch, gut erhalten und von einer alten Stadtmauer umgeben. Im Grunde genau das, was man sich unter einer alten chinesischen Stadt vorstellt. Wenn aber all die Souvenirläden und die großen Massen an Touristen nicht wären, die sich tagtäglich durch die Gassen schieben… Mir geht das Stadtzentrum bald auf die Nerven, zumal ich ständig ungefragt von Chinesen umstellt und zu einem Gruppenfoto genötigt werde. Ich kann verstehen, dass ich als Weißer in China für viele Chinesen ein interessantes Fotomotiv darstelle, aber die respektlose Art und das Nichtfragen stört mich.

In Dali stoße ich zudem das erste Mal auf meiner Reise auf einen aggressiven, nicht angeleinten Hund, der aus seiner schlechten Laune keinen Hehl macht. Wirklich verübeln kann ich es ihm aber nicht, denn ich bin auf der Suche nach einer alten Pagode über einen Zaun gestiegen und dachte, ich wäre auf einem unbewohnten Gelände unterwegs. Leider geirrt, der Hund sieht mich als ungebetenen Gast und bietet sich an, mir in die Wade zu beißen. Zum Glück tauchen im letzten Moment aus einem Haus, das ich für eine Ruine gehalten habe, die Besitzer auf und halten den Hund auf (auch wenn sie selbst noch schlechtere Laune als der Hund zu haben scheinen).

Aller guten Dinge sind drei, und ich merke, dass ich mein Laptop-Ladegerät in Kunming vergessen habe. Jetzt stehe ich vor der interessanten Aufgabe, ein Geschäft zu finden, welches originale Apple Produkte verkauft – China ist berühmt-berüchtigt für die zahllosen gefälschten Apple-Stores. Ich kann einen Apple Store auftreiben, der zwar garantiert keiner ist, jedoch scheinbar  originale Produkte verkauft. Ich beiße in den sauren Apfel und kaufe für Originalpreise ein Ladekabel, von dem ich nur hoffen kann, dass es original ist und meinen Laptop zumindest nicht gleich beim ersten Anschließen grillt.

In Dali hält es mich nicht länger als zwei Nächte und nehme bald meinen Rucksack und mache mich auf zu meiner letzten Zugfahrt in China, nach Lijiang.

(Jeweils für das nächste Bild die Pfeiltasten benutzen!)

 

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