15 Tage durch die Wildnis der Mongolei – Teil 1

In Ulan Bator spielt sich immer wieder das gleiche Spiel ab: Backpacker ziehen von Hostel zu Hostel, vergleichen Preise und Angebote für Touren durch die Mongolei und suchen nach Leuten, um sich mit ihnen zusammen zu tun, um die Kosten zu drücken. Die Mongolei ist ein raues Land mit nur wenigen Städten oder Siedlungen, aber mit einer grandiosen und überwältigenden Natur, die man nur mit Geländewagen und ortskundigem mongolischem Fahrer wirklich erkunden kann.

Ich habe ein Riesenglück und schließe mich mit den fünf Weltreisenden Fede & Cadu (http://wanderland.it), Anthony (http://www.oneworldtosee.fr), Mathilde & Gaël (http://www.traveldreamandmovies.com) zu einer fantastischen Gruppe zusammen, mit der ich mir sehr gut vorstellen kann, die nächsten 15 Tage zusammen zu reisen. Zunächst war unser Plan, mit öffentlichen Transportmitteln und per Anhalter zu reisen. Dann stellt sich jedoch heraus, dass es recht günstig ist, als Gruppe einen Fahrer und Geländewagen zu mieten. Wir organisieren die Tour mit Hilfe von Landkarten und Tipps anderer Reisender selbst und sorgen auch selbst für unseren Proviant. So sparen wir im Vergleich zu organisierten Touren 50% der Kosten ein. Am Ende sind es pro Person und Tag 17$ für den Geländewagen, Sprit und Fahrer.

Insgesamt legen wir in der Zentralmongolei und im Süden des Landes 2352 km im Geländewagen, auf Pferden und zu Fuß zurück.

Die Zentralmongolei – ein raues Paradies

Die Mongolei zeigt sich bald nach dem Verlassen Ulan Bators von ihrer überwältigendsten Seite; die Landschaft verändert sich stetig und scheint in den unterschiedlichsten braun- und grün-Tönen, sanfte Hügel wechseln sich mit felsigen Felsformationen und Wäldern ab. Erscheint die vorbeiziehende Landschaft zunächst noch eintönig, lerne ich bald jedoch, genauer hinzusehen und die Veränderungen zu entdecken. Die Schönheit der Mongolei ist schwer in Worte zu fassen.

Für mich ist die Mongolei eine große, positive Überraschung: ich hatte mir die Mongolei zuvor als eintöniges, flaches, eher karges Land vorgestellt. Während der nächsten zwei Wochen sehe ich jeden Tag neue, meist atemberaubende Landschaften und kann mich kaum satt sehen.

(Jeweils für das nächste Bild die Pfeiltasten benutzen!)

 

Russische Geländewagen

Wir verbringen an manchen Tagen bis zu 8 Stunden im Geländewagen und brettern mit hoher Geschwindigkeit manchmal über Pisten, manchmal ohne erkennbare Spur durch die Steppe und werden ordentlich durchgerüttelt. Unser Fahrer Tuggi vertraut, zu recht, wie sich herausstellt, auf die Robustheit des russischen Geländewagens. Nichts scheint dieses Allradmonster aufhalten zu können, keine Steigung und kein Schlagloch. Dafür scheint sich Tuggi auf befestigten Straßen sehr unsicher zu fühlen und so fährt er auf den wenigen asphaltierten Straßen langsamer, als im Gelände.

(Jeweils für das nächste Bild die Pfeiltasten benutzen!)

 

Kommunikationsprobleme mit Tuggi

Mit Tuggi gibt es immer wieder teilweise massive Kommunikationsprobleme – dass wir kein Mongolisch und er kein Englisch spricht, war dabei natürlich von vornherein klar und einkalkuliert. Was uns aber Probleme bereitet ist, dass Tuggi weder mit Worten, noch mit Mimik und Gesten viel zu kommunizieren bereit ist. Manchmal bremst er den Geländewagen aus für uns unerfindlichen Gründen und bleibt einfach wartend auf dem Fahrerplatz sitzen. Dann müssen wir versuchen herauszufinden, ob es ein Problem mit dem Motor gibt (was einige Male vorkommt, aber durch handwerkliches Geschick Tuggis schnell behoben werden kann), wir bereits am Ziel angekommen sind, oder ob er den weiteren Weg nicht kennt und auf unsere Anweisungen wartet. An dieser Stelle zeigt sich ein weiteres Mal, was neben der grandiosen Landschaft den großen Reiz am Bereisen der Mongolei ausmacht: Tourismus ist hier insgesamt noch weitestgehend ein Fremdwort und eine sehr junge Erscheinung, weshalb die meisten Mongolen  im Umgang mit Ausländern noch wenig geübt und vertraut sind. Die Mongolei ist sicher, auch aufgrund seiner Abgeschiedenheit abseits aller Touristen-Hotspots, eines der wenigen Länder außerhalb Afrikas oder Zentralasiens, in dem der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckt.

 

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Fun facts

  • In der Mongolei gibt es Neonazis! Vor einigen Monaten machte in den Medien eine interessante Meldung über eine Neonazigruppe in Ulan Bator die Runde, die grandioser nicht hätte sein können: Auf der Suche nach neuen Zielen, für die es sich einzutreten lohnt, hat diese Gruppe den Kampf für die Umwelt für sich entdeckt. Seitdem besichtigen die Umwelt-Neonazis – noch immer mit Hakenkreuz und Uniform! – umweltschädliche Fabriken und setzen sich scheinbar nun für eine bessere Welt ein.

Lesenswerter Artikel: http://m.theatlantic.com/infocus/2013/07/a-mongolian-neo-nazi-environmentalist-walks-into-a-lingerie-store-in-ulan-bator/100547/

  • Mongolische Männer fühlen sich in der Arbeitswelt von den oftmals besser ausgebildeten Frauen abgehängt und fordern nun Gleichberechtigung.

http://www.spiegel.de/panorama/mongolische-maenner-fordern-gleichberechtigung-a-914700.html

 

Weiter geht es mit Teil 2!

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